Unsere Geschichte

 
Die Geschichte unserer evangelischen Gemeinde in Zell am Harmersbach beginnt mit dem ersten Protestanten, dem es im Jahr 1803 erlaubt wird sich in Zell am Harmersbach nieder zu lassen. Es war damals nur der Entwicklung in der Zeller Keramik geschuldet, dass man offener werden musste. Die Spezialisten, die man für die Weiterentwicklung der erfolgreichen Herstellung von Keramik benötigte waren Protestanten. 
Die ersten Gottesdienste fanden auf dem Gut Gröbernhof, dem Schnitzlerschen Haus und dem Rathaussaal statt. 1901 wurde dann die erste evangelische Kirche eingeweiht, 1959 das erste Gemeindehaus eingeweiht und 1970 unsere jetzige evangelische Kirche. 2023 wurde unser neues Gemeindehaus eingeweiht.
Was sich einfach in einer Reihenfolge aufzählen lässt ist voll von Leben, Glauben und Gemeinschaft. In allen Gebäuden steckten und stecken viele Ideen und Hoffungen.
 
Sollten Sie noch alte Fotos unserer Gemeinde haben oder vielleicht Erzählungen, die mit unserer Gemeinde verbunden sind, dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns über das Pfarramt ansprechen würden.
 
Jetzt wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Entdecken unserer Geschichte.
 
Teilweise sind die Seiten noch in Bearbeitung und noch nicht ganz vollständig.
 
Wir, die evangelische Kirchengemeinde, danken der Stadt Zell am Harmersbach für die freundliche Genehmigung die Texte aus den städtischen Chroniken verwenden zu dürfen.
 
Besuchen Sie doch auch einmal die Homepage unserer schönen Stadt Zell am Harmersbach
 

Im Jahr 2023 konnten wir die Einweihung unseres neuen evangelischen Gemeindezentrum feiern. 
Nachdem das Kaspar-Hedio-Haus in die Jahre gekommen war: die Heizung samt Warmwasserbereitung war defekt. Irgendwann waren Reparaturen nur noch teuer. Wassersschäden kamen dazu. Für den Heizungstausch hätten wir anfangen müssen das Gebäude zu verändern.......
Da hatte Reinhard Monninger eine gute Idee.
 
 

Derzeit in Arbeit
 

Alles über den Weg zur neuen Kirche
Derzeit in Arbeit
 
 

Derzeit in Arbeit
 

Die erste evangelische Kirche wurde am 8. September 1901 eingeweiht. Nahezu 100 Jahre nachdem der erste Protestant in die Zeller Gemeinde aufgenommen wurde. Die keramische Fabrik benötigte Zeichner, Maler, Modelleure und diese waren zumeist evangelischen Glaubens. Die Frabrikantenwitwe Frau Lenz in Bern hatte 10.000 Mark gestiftet, damit die Kirche gebaut werden konnte. Carl Schaaff, der damalige Eigentümer der Zeller Keramik, hat der Kirchengemeinde nicht nur auf seinem Gelände den Baugrund geschenkt, sondern auch das fehlende Geld mit Zins und Tilgung zur Verfügung gestellt. Zur Einweihung der Kirche schenkte Carl-Schaaff einen Abendmahlskelch aus Porzellan, der in Zell hergestellt worden war. Der 1899 gegründete evangelische Kirchenchor hatte an der Einweihungsfeier seinen ersten öffentlichen Auftritt. In der Schwarzwälder Post wird berichtet, dass die Feier mit einem Abschiedsgottesdienst im Rathaussaal begonnen hatte, ein Festzug zur neuen Kirche führte und eine feierliche Schlüsselübergabe mit anschließendem Festgottesdienst zur Einweihung der neuen evangelischen Kirche.
Insgesamt war die Einweihungsfeier sehr ergreifend. 
 
 
 

Aus „ Zell am Harmersbach im Wandel der Zeit“ von Dieter Petri
Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Stadt Zell a.H.
Zell im Oktober 2024
 
 
2. Die Evangelische Kirche
Solange Zell zu Vorderösterreich gehörte, nahm Zell nur Katholiken als Bürger oder Hintersassen (Halbbürger) auf. Als die Stadt 1803 badisch wurde, änderte sich dies. Vor allem die Keramik zog auswärtige Fachkräfte als Maler und Modelleure an. Sie waren nicht selten evangelisch. 1852 wurden 35 evangelische Christen in der Stadt gezählt, drei Jahre später 46.
Zunächst wurden die evangelischen Christen vom Pfarrer in Offenburg betreut. Als Gengenbach einen eigenen Pfarrer erhielt, kümmerte sich dieser um die Zeller Protestanten. 1863 wurde alle vier Wochen in Zell ein Gottesdienst gefeiert; zunächst im Haus Schnitzler (heute Sozialstation; die Frau von Fabrikant Jakob Ferdinand Lenz war eine geborene Schnitzler), ab 1869 im Rathaus. Ein Jahrzehnt davor hatte es noch mächtigen Widerstand gegen einen evangelischen Gottesdienst gegeben. Zwar erhob der Stadtrat zunächst keine Einwände, einem Gastwirt gelang es jedoch, derart viele Gegner zu mobilisieren, dass der Rat einknickte und seine Erlaubnis zurückzog. Der Wirt hatte mit der Beeinträchtigung der katholischen Wallfahrt und den drohenden Einbußen für die Gastwirte argumentiert.
1896 feiert die Gemeinde ihre Sonntagsgottesdienste im neuen Rathaus. 1901 errichtet die evangelische Gemeinde eine eigene Kirche, die Platz für 50 Personen bietet. Die Witwe des Fabrikanten Gottfried Ferdinand Lenz stiftete zu diesem Zweck 10 000 Mark. Den Bauplatz stellte Fabrikant Karl Schaaff, Nachfolger von Lenz, auf dem Grundbesitz der Keramikfabrik kostenlos zur Verfügung. Er streckte auch das fehlende Baugeld mit Zins und Tilgung von jeweils drei Prozent vor. Als Schaaff 1907 nach Freiburg zieht, stellt er die einnahmen aus Zins und Tilgung für die Unterstützung armer Arbeiterfamilien zur Verfügung.
1904 stattet Luise, die Gattin des Großherzogs, der Stadt Zell a. H. einen Besuch ab. Dabei schenkt sie der evangelischen Filialgemeinde eine silberne Taufkanne mit Schale.
Die Glocke, welche die Stadt 1912 der Kirche spendete, wurde bereits fünf Jahre später zu Kriegszwecken eingezogen. 1921 wird in der Kirche eine Ehrentafel für die gefallenen der Kirchengemeinde angebracht.
In den Nachkriegsjahren stieg die Zahl der evangelischen Gläubigen durch die Zuweisung von Heimatvertriebenen in Zell a. H. sprunghaft an. 1951 wurde die Kirchengemeinde selbstständig und erhielt einen eigenen Pfarrer. Zuletzt waren die Gläubigen von Vikar Wilhelm Wacker aus Gegenbach betreut worden. Ihm gefiel die Arbeit so gut, dass er sich auf die neue Pfarrstelle bewarb. Landesbischof Dr. Bender führte ihn feierlich in das Amt ein.
1957 feiert die Gemeinde die Ordination des Zellers Dieter Paul. Die erste Predigt hält er in seiner Heimatgemeinde. 1958 wird im Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung über den Antrag der Evangelischen Kirchengemeinde abgestimmt, ihr städtischen Gelände im Umfang von 10 Ar zum Bau eines Gemeindehauses mit einer Wohnung für den Pfarrer kostenlos zu überlassen. Die Abstimmung ist knapp. Sechs Räte sind dafür, fünf dagegen. 1959 wird das Gemeindehaus eingeweiht.
Zwischenzeitlich hatte Pfarrer Wacker die Gemeinde verlassen und war einem Ruf nach Heidelberg gefolgt. Sein Nachfolger wurde Eberhard Fink. Er nannte das Gemeindehaus nach „Kaspar Hedio“ dem Reformator im nahen Straßburg. Auch das Streicher-Ensemble, das Pfarrer Fink gründete wurde nach dem berühmten Prediger benannt. Pfarrer Fink, ein begeisterter Musiker, übernahm auch die Leitung des Kirchenchors. Dieser war im Jahre 1899 gegründet worden, noch bevor die Gemeinde, über eine eigene Kirche verfügte.
 
1963 beginnen die Vorbereitungen für den Bau eines größeres Gotteshauses. Von der Firma Schmider erwirbt die Kirchengemeinde den Baugrund für die Kirche, die Stadt die notwendige Fläche für eine Zufahrtsstraße. Der Bauantrag für die Kirche, Sakristei und Glockenturm wird im November 1968 eingereicht. Den Auftrag für die moderne Kirche erhält Architekt Gierich aus Karlsruhe. Das Altarbild stammt von Boris Goetz. Die Einweihung erfolgt 1969.
1992 gründet Organist Markus Staiger mit überwiegend jüngeren Sängerinnen und Sängern den „Ökumenischen Singkreis Fermate“. Das Pausenzeichen „Fermate“ steht für das Innehalten in Gott und kennzeichnet das geistliche Liedgut des Chors. Über die Mitgestaltung evangelischer und ökumenischer Gottesdienste hinaus gibt der Chor auch eigene Konzerte. 2009 hat der Chor rund 20 Mitglieder.
2010 übernimmt Reinhard Monninger die Pfarrstelle. Er betreut rund 2.200 evangelische Christen in Zell a. H., Biberach, Nordrach und Oberharmersbach.
 
 

Aus der Chronik der Stadt Zell a. H. von Ruth Baitsch (1970)
Erweiterung und Fortführung (1938 – 1969) der Disch´schen Chronik
Mit feundlicher Genehmigung der Stadt Zell am Harmersbach
 
Die evangelische Kirche
In den Jahren vor dem Krieg hatte – seit November 1936 – Pfarrer Chrislieb Schmidt die evangelische Gemeinde Zells von Gengenbach aus betreut. Das tat er auch in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren, als die Fahrt hierher oft recht beschwerlich war. Als dem Pfarramt Gengenbach 1949 ein Vikar zugewiesen worden war, wurde diesem die Versehung von Zell übertragen. Es war der spätere Pfarrer Wacker, der damals mit dem Fahrrad nach Zell fuhr, um den Gottesdienst abhalten zu können. 1950 wurde durch die Einweisung von Heimatvertriebenen die evangelische Gemeinde so groß, dass Zell von Gengenbach getrennt werden konnte. Die Verlegung des Vikaramtes von dort nach Zell wurde vom Oberkirchenrat Dr. Heidland 1949 verständnisvoll gebilligt, und im Dezember 1950 wurde – auf einen Antrag des Kirchenvorstandes hin – die Kirchengemeinde Zell selbständig . Zur Feier des 20jährigen Bestehens wurde Ende 1969 eine festliche Adventsmusik abgehalten, deren Reinerlös dem Kirchenneubau zugute kam.
Als am 14. Januar 1951 Wilhelm Wacker auf allseitigen Wunsch durch den Landesbischof Dr. Bender feierlich in sein Amt als erster Pfarrer der neuen Gemeinde eingeführt wurde, begann auch ein neuer Abschnitt der Geschichte dieser Gemeinde. Pfarrer Schmidt durfte diesen Tag leider nicht mehr erleben; tags zuvor wurde er beerdigt.
Hatte der vormalige Vikar bereits Oberharmersbach und Nordrach neben Zell betreut, so kamen für den Pfarrer Wacker jetzt noch Biberach, Nordrach-Kolonie, Unterharmersbach, Unter- und Oberentersbach dazu. Unter der Seelsorge des neuen Geistlichen entwickelte sich reges kirchliches Leben. Am 11. März wurden 22 Kinder konfirmiert – im Vorjahr waren es nur 8 gewesen -, davon waren 18 junge Flüchtlinge. Besonders gute Erfahrungen wurden mit Ostpreußen, Pommern und Schlesiern gemacht, denn sie waren nicht nur kirchlich, sondern auch kirchlich aktiv. Seit 1952 strömten Flüchtlinge aus Sachsen und Thüringen ins Tal, darunter viele Bauern. Es bedurfte großer Geduld, bis die so verschiedenen Volkscharakteren der einheimischen und zugereisten Menschen langsam zusammenzuwachsen begannen.
Bibelstunden fanden statt, und Jugendkreise wurden abgehalten. Seit April 1951 waltet auch ein Kirchendiener, Herr Patschkowski, seines Amtes. Einmal monatlich wurden Gottesdienste in Biberach, Oberharmersbach und Nordrach gehalten; die anderen Besucher kamen aus Zell; einen Großteil der Kirchgänger bildeten die Kurgäste. Die für alle Konfirmanden zur Pflicht gemachten Besuche der Christenlehre wurden nur in Zell durchgeführt; der Kindergottesdienst, ursprünglich allein in Zell abgehalten, wurde später auch auf Oberharmersbach ausgedehnt. Der normale Religionsunterricht wurde für alle Klassen sowohl in Zell als auch in Nordrach und Oberharmersbach abgehalten; in Biberach und Unterharmersbach war er auf die ersten vier Volksschulklassen beschränkt.
Seit Ostern 1953 wurde am Ostersonntag bei Sonnenaufgang eine Auferstehungsfeier auf dem Friedhof gehalten; seit 1949 gab es auch Waldgottesdienste, zu Sylvester den Mitternachtsgottesdienst. Besonders schön wurde der gemeinsame Kirchentag im Jahre 1952 für alle sieben Gemeinden im Stadtpark anläßlich des 100jährigen Jubiläums begangen; einhundert Jahre zuvor war von Offenburg aus der erste evangelische Gottesdienst für die Zeller Protestanten gehalten worden.
Taufen wurden grundsätzlich in den Gottesdienst einbezogen; bei Beerdigungen fand die Aussegnung im Haus oder Krankenhaus, die Feier aber auf dem Friedhof statt. So ist es bis heute geblieben.
Im Oktober 1957 wurde die erste Ordination gefeiert, als der Zeller Mitbürger Dieter Paul durch den Dekan von Lahr, Zeilinger, zum Amt des Pfarrers ordiniert wurde und seine erte Predigt heir hielt.
Die freundschaftlichen Beziehungen des jungen Pfarrers Wacker zu dem etwa gleichaltrigen damaligen Kaplan Amann bildeten eine gute Basis für gemeinsame Arbeiten, die sich immer wieder als notwendig erwiesen, ob es sich nun um Feiern am Volkstruaertag oder die Einweihung öffentlicher Gebäude, um Ansprachen bei weltlichen Veranstaltungen – wie etwa der 700-Jahr -Feier von Zell- oder besondere Ehrungen handelte. Zur Einweihung des Jugendheimes zum Beispiel stiftete die evangelische Kirchengemeinde fünf Stühle; der katholische Stiftungsrat wiederum stellte den neuen Saal mit Heizung kostenfrei bei einem evangelischen Jugendtreffen zur Verfügung.
Nach acht Jahren intensiver Arbeit erhielt Pfarrer Wacker eine ehrenvolle Berufung nach Heidelberg und nahm Abschied im Mai 1958. Sein Nachfolger Pfarrer Eberhard Fink, hat inzwischen schon sein 10jähriges Walten hier in Zell feiern können.
Es hat sich als notwendig erwiesen und wurde im gleichen Jahr auch in Angriff genommen: der Bau eines Gemeindehauses! Architekt Fritz Lehmann und Bauunternehmer Cölestin Lehmann leiteten die Arbeiten; am 1. September erfolgte bereits die Grundsteinlegung des Hauses. Den ersten Spatenstich jedoch hatte der damals in Zell weilende Pfarrer Wacker getan. Das Gemeindehaus erhielt den Namen „Kaspar-Hedio-Haus“, nach dem Straßburger Reformator. Mit dieser schönen Geste wurde wiederum die Freundschaft der Gemeinden und Familien diesseits und jenseits des Rheines gefördert. Das Gebäude dient gleichzeitig als Gemeinde- und als Pfarrhaus, jedoch erweist sich der geschmackvoll angelegte Saal bereits jetzt als zu klein, um alle Besucher der sorgfältig ausgewählten Veranstaltungen bequem fassen zu können. 1959 wurde ein Bazar im katholischen Jugendheim eröffnet, um zunächst die noch auf dem Gebäude ruhende Schuldenlast zu tilgen; er brachte schöne Erfolge.
Da schon 1953 durchschnittlich 145 Gottesdienstbesucher gezählt wurden, erwies sich auch die 1901 für ca. 50 Protestanten erbaute kleine Kirche bald als nicht mehr ausreichend. Die daran auftretenden Risse und Fundamentsenkungen ließen einen Neubau mehr als gerechtfertigt erscheinen. Aber erst jetzt reifte der Plan der Vollendung entgegen. Ein Lageplan und ein Baugesuch wurden im November 1968 vorgelegt. Der Platz liegt oberhalb des Anwesens von Dr. Michels. 1969 erfolgte der 1. Spatenstich.
Eine erlesene Gemeindebücherei, 1955 begründet und seither wesentlich bereichert, steht den Gemeindemitgliedern zur Verfügung. Auch das kirchenmusikalische Leben wurde weiter ausgebaut., in dem der Posaunenchor eine besondere Rolle spielt. Als im Jahre 1964 sich nach der katholischen auch die evangelische Kirche Zells mit Dettweiler geschwisterlich vereinigte, bot der sorgfältig zusammengestellte Kirchenchor eine festliche, zu Herzen gehende Abendmusik dar. Auch dies war ein Beitrag zu dem Bestreben, in christlicher Liebe alles Trennende zu überwinden und das Verbindende zu suchen.
Die Kirchenältesten 1967/68 setzen sich zusammen aus:
Aus Zell: Liesel Burger, Charlotte Steuerwald, W. Patschkowski, A. Wolf
Aus Unterharmersbach: W. Selzer, P.Neubauer
Im gleichen Kirchenjahr wurden 25 Kinder konfirmiert im Jahre 1968 12, 1969 10.
Zum Schluß mögen noch einige statistische Werte Aufschluß über die Religionszugehörigkeit innerhalb der einzelnen Gemeinden geben:
Eine geringfügige Differenz ist auf Andergläubige zurückzuführen: Ev. Luth. Freikirche, Adventisten, Mormonen, Neuapostolische Kirche, Zeugen Jehovas.
Von diesen dürfte die Neuapostolische Gemeinde mit 17 Anhängern die meisten Mitglieder zählen. 1966 erbauten sie eine eigene Kirche an der Oberentersbacher Straße, die 100 Personen faßt. Aus der ganzen Umgebung kamen etwa 150 Anhänger zu ihrer Einweihung.
 
 
 

Aus der Chronik von Franz Disch, unveränderter Nachdruck der Originalausgabe von 1937:
Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Zell am Harmersbach
 
Die evangelische Kirche
Bis zum Jahre 1803 nahm der ehrsame Rat nur Katholiken als Bürger und Hintersassen auf. Nach dem Übergang der Stadt an das Großherzogtum Baden siedelten sich nach und nach auch Evangelische in Zell an, herbeigerufen vor allem durch die keramische Fabrik, die fremder Zeichner, Maler, Modelleure, Vorarbeiter etc. bedurfte. 1852 sind bereits 35, 1855 schon 46 Evangelische in Zell. Da Sie im ganzen unteren Kinzigtal wenig Glaubensgenossen hatten, war auch kein Seelsorger für Sie bestellt. Doch hielt ihnen 1852 der Theologe Fa. Müller von Offenburg, der eine Lehrstelle an der dortigen Bürgerschule inne hatte und gleichzeitig die seit 1847 in der Bildung begriffene Offenburger evangelische Kirchengemeinde betreute, den ersten Gottesdienst. Der Wunsch, in Zukunft einen beständigen Sonntagnachmittags-Gottesdienst einzurichten, blieb jedoch unerfüllt. Erst 1860 folgte der Stadtpfarrer Bähr in Offenburg, der sich der Diasporagemeinden des unteren Kinzigtals mit großem Eifer annahm, einer Einladung der Zeller und hielt an Ostern Gottesdienst und Abendmahl. Dies scheint sich in den nächsten Jahren wiederholt zu haben und zwar 1863 auf dem dem adeligen Damenstift in Karlsruhe gehörenden Gute Gröbern, dessen Äbtissin Marie, Freiin von Mentzingen, den Gottesdienst anregte und im selbst beiwohnte. 1865 erhielt Gengenbach, das mit den nächst umliegenden Orten etwa 150 Evangelische zählte, einen sogenannten Pastorationsgeislichen namens Karl Gräbener. Dieser hielt nun alle vier Wochen, sowie an den zweiten Feiertagen und am Karfreitag nachmittags in Zell Gottesdienst und zwar anfangs im sogenannten Schnitzler`schen Hause und von 1869 an im Rathaussaale. Im gleichen Jahre wählte die Gemeinde einen Kirchenvorstand. Seit 1867 fand in einem Zimmer des Rathauses und später im Musikzimmer Religionsunterricht statt. 1876 wurde der Pastorationsgeistliche Mitglied der Ortsschulbehörde und des Armenrates. Während des Abbruches und der Neuerbauung des Rathauses im Jahre 1895/ 96 musste die evangelische Gemeinde vorübergehend den Gottesdienst im Hirschsaale halten. Im Jahre 1900 schritt man zur Erbauung einer Kirche, zu welcher Frau Fabrikant Lenz, Witwe in Bern, 10.000 Mark stiftete. Fabrikant Karl Schaaff stellte unentgeltlich den Bauplatz zur Verfügung und streckte das noch weiter erforderliche Geld gegen 3 prozentige Verzinsung und 3 prozentige Amortisation vor, ließ jedoch nach seinem Wegzuge nach Freiburg im Jahre 1907 die jährlichen Zahlungen bedürftigen Arbeiterfamilien zuweisen.
Am 8. September 1901 fand die Einweihung der Kirche statt, bei welcher Gelegenheit der 1899 gegründete Kirchenchor zum erstenmale öffentlich auftrat. Im Juni 1904 schenkte die Großherzogin Luise, die Zell mit einem Besuch beehrt hatte, der Kirchengemeinde ein silbernes Taufbecken und eine silberne Taufkanne, auf welchen in ciselierter Arbeit Blumengewinde und Bibelworte angebracht sind. 1912 stiftete die Stadt eine Glocke, die aber 1917 ab den Militär-Fiskus abgegeben werden mußte. 1922 lieferte die Firma Gebr. Bacher in Karlsruhe im Auftrag und auf Kosten der Stadt eine neue Glocke, die am 12. November 1922 geweiht wurde. Sie ist auf den Ton es gestimmt und wiegt 320 Pfund.
 
Inschrift:
 
Der Friede sei mit Euch!
Gegossen i.J. 1922 von Gebr. Bachert in Karlsruhe i. B.
Gemeinderat Zell a. H.
Hermann Seifert, Bürgermeister
Hermann Kopf. Georg Schmider.
Wilhlem Wölfle. August Schmider.
Anton Rapp. August Herrmann.
Jakob Riehle. Ernst Thoma.
 
Die zweite Glocke ist auf den Ton c gestimmt und zeigt die Namen des Kirchengemeinderats:
 
Inschrift:
 
Herrmann Seifert, Bürgermeister.
Albert Sporri. Joh.Ludwig Kneißler.
Adolf Kramer.
 
Verzeichnis der evangelischen Pfarrherren:
Karl Gräbener 1865-1869 Pastorationsgeislicher
Wachs, 1869-1872.
Maas, 1872 – 1878.
Sachs, 1878 – 1880.
Schmidt, 1880 – 1882.
Schreiner, 1882 – 1884.
Schlömann, 1884 – 1887.
Albert Ebbecke, 1888 – 1897, Pfarrer.
Wilhelm Wehn, 1898 – 1901, Pfarrer.
Ernst Schneider, 1901 – 1907, Pfarrer.
Julius Mayer, 1907 – 1921, Pfarrer.
August Bacher, 1921 – 1925, Pfarrer.
Von 1925 – 1935 wurde Zell teils von Haslach, teils von Hausach aus versehen.
Eisinger, 1925 – 1929, Pfarrverwalter.
Köllner, 1929 – 1931. Pfarrverwalter.
Baumann, 1932 – 1934, Pfarrer.
Thienhaus, 1934 – 1935, Pfarrer.
Bacher, 1935 – 1936, Pfarrer in Gengenbach
Christlieb Schmidt, seit 01.11.1936, Pfarrer in Gengenbach.